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TU Berlin

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Der Mann fürs Elegante

Für den Mitgründer des Musiksoftware-Unternehmens Ableton, Gerhard Behles, hat Bedienfreundlichkeit oberste Priorität

Lupe

Einige Unternehmen investieren viel Zeit und Geld, um herauszubekommen, wer ihre Kunden sind. Gerhard Behles hat es da einfacher. Der Mitgründer und CEO des Musiksoftware-Unternehmens Ableton mit 110 Mitarbeitern kennt sogar ihre Namen: „Einer heißt Chris, einer Erik.“ Die Firma mit Sitz genau auf der Grenze zwischen Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg hat aber nicht nur zwei Kunden. Gerhard Behles kann vielmehr jedem, der sich für Ableton-Produkte interessiert, einen der zwei Charaktere zuordnen. „Chris ist Musiker“, definiert Behles. „Er spielt Klavier, singt, hat eine musikalische Ausbildung genossen, kann Noten lesen und besitzt eine große Plattensammlung. Neue Technik probiert er ganz gerne mal aus, viel Geduld besitzt er dabei jedoch nicht.“ Erik hingegen ist eine Art Nerd: Er tummelt sich in Blogs, stöbert im Netz immer nach neuen Software-Trends und ist technisch versiert. „Natürlich entsprechen nicht alle Kunden genau diesen Bildern, aber die meisten kommen einem der beiden Typen sehr nah, sodass wir uns bei jedem Ableton-Produkt eine einfache Frage stellen: Wird es Chris und Erik gefallen?“

Behles, gebürtiger Münchener, fällt die Kategorisierung auch deshalb so leicht, weil er tief in der Szene verwurzelt ist, für die Ableton Software entwickelt. Der 42-Jährige studierte bereits Ende der Achtzigerjahre Elektronische Musik in Den Haag. Um nicht nur die kreative, sondern auch die technische Seite zu verstehen, begann er 1990 ein Informatikstudium an der TU Berlin. „Es gab damals ein Biotop von Leuten, die sehr experimentell und freigeistig an die Möglichkeiten der elektronischen Musik herangingen“, erinnert sich Behles. Einer von ihnen war Bernd Roggendorf, wie Behles Informatiker. Eines Tages stellten die beiden fest, dass sie mit den herkömmlichen Produkten zur Aufnahme von elektronischer Musik nicht zufrieden waren. „Die meisten Programme versuchen, ein echtes Tonstudio auf dem Bildschirm zu simulieren. Die Bedienelemente sehen aus wie die Knöpfe und Rädchen an richtigen Mischpulten, und auch die Handhabung entspricht der eines analogen Equipments“, sagt Behles, der als Teil des Berliner Projekts Monolake auch Erfolge als Elektro-Musiker feierte.

Eine kurze Marktforschung unter Mitstudenten und befreundeten Musikern ergab, dass Behles und Roggendorf mit ihrer Einschätzung nicht allein waren.  „Es fehlte eine Software, die mehr kann, als nur fertige Songs aufzunehmen. Denn elektronische Musiker arbeiten anders als Rock- und Popbands. Sie improvisieren deutlich mehr.“ Von 1999 bis 2001 entwickelten Behles und Roggendorf das Programm „Ableton Live“. Die Idee: eine Software, die einen Track von der ersten Idee bis zur Live-Aufführung begleitet. Die lange Entwicklungszeit konnte sich das junge Unternehmen durch eine Finanzspritze des Förderprogramms FUTOUR leisten, und als die Software 2001 auf den Markt kam, war die Resonanz riesig. „Keine Frage, wir hatten einen Nerv getroffen“, sagt Behles und verweist auf die vielen Rückmeldungen der Kunden. „Die Leute waren zugleich begeistert und kritisch. So wie Leute halt sind, die etwas mit Leidenschaft tun.“ Solche Kunden kann sich jedes Unternehmen nur wünschen, weil jedes Feedback ein  Hinweis darauf gibt, wie man das Produkt noch verbessern kann. „Wir konzentrieren uns heute vor allem darauf, unsere Software so  bedienfreundlich wie möglich zu machen“, sagt Behles.

Neue Features sind gar nicht so wichtig, „wichtiger ist uns, alle Stellen auszumerzen, bei denen man als Nutzer denkt: Hm, das geht aber eleganter.“ So leicht es den Gründern fiel, für die Zielgruppe genau das richtige Programm auf den Markt zu bringen, so unerfahren waren sie in allen Belangen der Betriebswirtschaftslehre. „Wir besaßen zwar ein gutes Gefühl für den Markt, aber nicht die Methoden, um ihn wirklich zu analysieren.“ Dass dieses Gefühl jedoch stimmte, beweist ein Blick in den allerersten Businessplan, der vor 13 Jahren entstand, als das Unternehmen von einem Jahresumsatz von 13,6 Millionen Euro und einer Tochtergesellschaft in den USA nur träumen konnte: „Der Plan war optimistisch, aber nicht unrealistisch. Und er hat der Wirklichkeit standgehalten.“

André Bosse

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