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TU Berlin

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Ein besonderes Promotionsverfahren

Herzlichen Glückwunsch, Herr Dr. Stein !

Dr. Dimitri Stein und Gattin nach Übergabe der Doktorurkunde am 12. November 2008 in Berlin
Lupe

An der Fakultät IV fand am 12. November 2008 ein ganz besonderes Promotionsverfahren seinen erfolgreichen Abschluss.
Der 1920 geborene Kandidat, Herr Dipl.-Ing. Dimitri Stein, schloss Anfang der 1940er Jahre an der Fakultät für Maschinenwesen der damaligen Technischen Hochschule Berlin erfolgreich sein Studium der Elektrotechnik ab. Im September 1943 reichte er seine Dissertation ein und beantragte die Zulassung zum Promotionsverfahren. Weil der Kandidat aus einer jüdischen Familie kam, wurde ihm die Zulassung verweigert. Herr Stein überlebte die Nazi-Herrschaft, unterstützt und in den letzten Kriegsjahren versteckt durch den Betreuer seiner wissenschaftlichen Arbeit an der Fakultät.
Herr Stein wanderte 1947 in die USA aus, unterrichtete einige Jahre an den Universitäten von Dakota und New York und arbeitete später mit großem Erfolg als Ingenieur in der Wirtschaft. Seine Nachfrage nach Kriegsende nach Möglichkeiten eines wieder aufzunehmenden Promotionsverfahrens wurde von der TU Berlin kurzerhand abgelehnt.
Durch den Freundeskreis von Herrn Stein erfuhr die Fakultät IV – Elektrotechnik und Informatik Anfang 2008 von diesen beschämenden Vorfällen. Die Fakultätsleitung war sich sehr schnell darin einig, dass die angemessenste Reaktion auf das Herrn Stein zugefügte Unrecht war, ihm das heute einzuräumen, was 1943 verwehrt wurde: die Zulassung zur Promotion, eine Prüfung der Arbeit und bei positivem Verlauf die Promotion zum Dr.-Ing. Es verstand sich dabei von selbst, dass die Beurteilung der Arbeit sich auf den damaligen Stand der Wissenschaft und die damals üblichen Anforderungen an Dissertationen beziehen musste.
Die Dissertation ist verloren gegangen, ihr wesentlicher Inhalt glücklicherweise aber in einer Fachzeitschrift erhalten geblieben. Dieser Aufsatz wurde an Stelle der Original-Dissertation dem Promotionsverfahren zu Grunde gelegt. Die vom Fakultätsrat eingesetzten Gutachter beurteilten die Arbeit positiv, die wissenschaftliche Aussprache fand am 12. November mit Erfolg statt. Im Anschluss an die Aussprache überreichte der Präsident der TU Berlin in einer kleinen Feierstunde Herrn Dr. Stein die Promotionsurkunde.

Die Mitglieder der Fakultät IV gratulieren von ganzem Herzen und freuen sich mit Herrn Dr. Stein über diesen Erfolg.

Vertriebene Wissenschaft: Start eines neuen Forschungsprojektes

Die Promotion von Dimitri Stein war Anlass für ein neues Forschungsprojekt Vertriebene Wissenschaft an der Technischen Hochschule zu Berlin 1933 bis 1945, das im Auftrag und mit Förderung des Präsidenten der TU Berlin am Zentrum für Antisemitismusforschung durchgeführt wird.

Siehe TU Medieninformation 69/2009

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