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TU Berlin

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Sibylle Dieckerhoff, Prof. Dr.-Ing., geb. 1969

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Seit April 2008 ist Sibylle Dieckerhoff Professorin für die Automatisierung energietechnischer Systeme (Leistungselektronik und Regelungstechnik) an der Technischen Fachhochschule (TFH) Berlin.

Frau Dieckerhoff, in welchem Fachgebiet sind Sie tätig?
Mein Spezialgebiet ist die Leistungselektronik. Diese kommt in sehr vielen Bereichen des alltäglichen Lebens zum Einsatz, zum Beispiel in den Netzteilen für die Stromversorgung von Handys und Labtops, in Photovoltaik- oder Windkraftanlagen. Sie müssen sich das so vorstellen, die Spannung an unseren Steckdosen hat immer 230 Volt. Wenn Sie nun einen Labtop daran anschließen wollen, braucht dieser eine andere Spannung als die verfügbaren 230 Volt. Ähnliches gilt für das Windkraftrad. Dieses produziert eine andere elektrische Spannung als die, die unsere Energienetze dann für die Verbraucher bereit stellen. Möchten wir also elektrische Energie aus Windrädern beziehen, muss diese erst „übersetzt“ werden. Hier hilft die Leistungselektronik: Sie wandelt bestimmte elektrische Energie in andere Spannungen und Formen (z.B. Wechselspannung in Gleichspannung) um, so dass sie in allen für den alltäglichen Gebrauch nötigen Systemen nutzbar ist. Die Leistungselektronik ist also sehr anwendungsbezogen. Es werden Schaltungskonzepte entwickelt, die z.B. elektrische Maschinen und Energiequellen miteinander verbinden, so fährt z.B. der ICE mit elektrischen Motoren, und die Drehzahl der Motoren wird durch die Leistungselektronik eingestellt. Immer wieder wird also von vorliegenden praktischen Problemstellungen ausgegangen.

Skizzieren Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang.
Ich habe in Aachen Elektrotechnik studiert und während meines Studiums meistens mit Freundinnen und Freunden gelernt. Es gab verhältnismäßig nur sehr wenige Frauen im Studium, doch hatte ich nicht das Gefühl benachteiligt zu werden. Für meine Promotion habe ich dann einen Doktorandinnenvertrag im Forschungslabor von DaimlerChrysler in Berlin bekommen. In den folgenden ca. drei Jahren (1999-2003) habe ich ein neues Konzept für die Leistungselektronik von Zügen entwickelt. Nachdem ich nach der Promotion zwei Jahre bei Siemens in Krefeld Leistungselektronik in der Bahntechnik entwickelt hatte, wobei es hier weniger um die Motoren als um die Steckdosen am Sitzplatz und um den Strom für die Kaffeemaschinen ging, wollte ich wieder in die Forschung. Ich war dann von 2004-2008 in Forschung und Lehre im Fachbereich Elektrotechnik an der TU Berlin und gleichzeitig mit einem Forschungsprojekt am Fraunhofer Institut tätig.  

Wie kam es, dass Sie sich damals für ein Studium der Elektrotechnik entschieden haben?

Diese Entscheidung hat sich schon in der Oberstufe herausgebildet. Ich hatte einen Geschichts- und einen Mathe-LK. Als es dann zur Frage des späteren Studiums kam, habe ich mich rational für das Fach entschieden, bei dem sehr gute Berufsaussichten und Verdienstmöglichkeiten vorhanden sind und das war eben die Naturwissenschaft. Hinzu kam aber noch, dass mir Umwelt- und Energiefragen besonders wichtig waren. Ich habe Ende der 80er Jahre Abi gemacht und da stand der Umweltschutz und das Problem der Energieversorgung auf der Tagesordnung. Ich habe mir von einem Studium der Elektrotechnik versprochen, das Energieproblem lösen zu helfen, was ich ja letztlich mit meinem Fachwissen heute auch tue. Aktuell bereite ich z.B. ein Forschungsprojekt für Leistungselektronik in Windkraftanlagen vor. Allerdings würde ich im Nachhinein sagen, dass ich während der Oberstufe über die Möglichkeiten in den Ingenieurwissenschaften zu wenig informiert war. Die Beratung im Arbeitsamt hat mir damals nicht sehr viel weitergeholfen. Ein Maschinenbau-Studium hätte z.B. auch sehr gute Möglichkeiten für mich geboten, die heutigen Herausforderungen im Umweltschutz und in der Energieversorgung anzugehen.

Was würden Sie Schulen im Hinblick auf die Studienwahl der Schülerinnen und Schüler raten?
Ich würde mir heute für Schulen wünschen, dass mehr Praktika und Schnupperkurse an Unis und in der Wirtschaft angeboten würden, damit sich die Schülerinnen und Schüler umfangreich und frühzeitig über Studienmöglichkeiten und fachliche Spezialgebiete sowie deren Anwendungsmöglichkeiten informieren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Dr. Stefanie Rinke.

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(030) 314-25491
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