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Die ENIAC-Programmiererinnen
Als ENIAC-Programmiererinnen werden die Frauen bezeichnet, die mit der us-amerikanischen elektronischen Rechenanlage ENIAC vor allem ballistische Berechnungen durchführten.
Mit Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg 1941 stieg der Bedarf an kriegsrelevanter Forschung. Hierfür wurden systematisch Frauen mit College-Abschluss vorzugsweise in Mathematik gesucht, die auf dem Forschungsgelände in Aberdeen (Maryland) Geschossbahnen berechnen sollten. Im Ballistic Research Laboratory arbeiteten 1945 ca. 80 Frauen als „Rechnerinnen“, englisch „Computer“. Das heißt, die ersten Computer waren eigentlich Frauen, die zunächst noch ohne elektronische Rechenanlage ballistische Berechnungen machten. Überwiegend waren auch ihre Vorgesetzten Frauen.
Von diesen „Computern“ wurden 1946 sechs ausgewählt, die im nahegelegenen Philadelphia an der gerade fertig gestellten elektronischen Rechenanlage ENIAC (Electronic Numerical Integrator And Computer) ausgebildet wurden. Diese Frauen hießen:
- Kathleen (Kay) McNulty (Mauchly Antonelli) (1921-)
- Frances Bilas (Spence) (1922-)
- Elizabeth (Betty) Jean Jennings (Bartik) (1924-)
- Frances Elizabeth (Betty) Snyder (Holberton) (1917-2001)
- Ruth Lichterman (Teitelbaum)
- Marilyn Wescoff (Meltzer)
Die Programmiererinnen erhielten zunächst spezielle Einweisungen in die Funktion der Rechenanlage. Dann lernten sie eine Blockdiagrammschreibweise kennen, in der die Programme beschrieben werden mussten. Der Rechenkoloss ENIAC war so konzipiert, dass die Aufgaben per Lochkarte eingelesen und auch wieder ausgegeben wurden. Gemeinsam mit ForscherInnen, die für die Nutzung der ENIAC-Rechenanlage oft extra nach Philadelphia reisten, übersetzten die Programmiererinnen die von den Gästen gestellten Rechenaufgaben in Blockschemata. Der ENIAC war meist monatelang im voraus an ForscherInnen vermietet.
Das Rechnen mit dem ENIAC erforderte extreme Genauigkeit und viel Geduld. Denn der Rechenkoloss war sehr anfällig für Fehler: Wenn auch nur eine der rund 17.000 Röhren defekt war, rechnete die Maschine nicht mehr korrekt. Ein weiteres Problem war, dass die Programmierung sehr aufwändig war. Die Komponenten des Rechners mussten jedes Mal manuell mit Kabeln verbunden, und bis zu 6.000 Drehschalter in die richtige Position gedreht werden, bevor der ENIAC loslegen konnte. In der Praxis bedeutete dies, dass der ENIAC ein anspruchsvolles mathematisches Problem zwar in Sekunden lösen konnte – es aber unter Umständen Tage dauerte, bis man ihn richtig eingestellt hatte. Dementsprechend waren es sehr anstrengende Arbeitstage, die oft bis in die Nacht dauerten.
An der Programmierung beteiligten sich noch zwei weitere Frauen: die Mathematikerin Adele Goldstine sowie Klare von Neumann (Ehefrauen vom Projektleiter Herman Goldstine und vom Mathematiker John von Neumann, der an der Universität von Philadelphia lehrte und seit 1944 beratend in das ENIAC-Projekt involviert war). Adele Goldstine verfasste 1946 die „Technische Beschreibung des ENIAC“, eine umfangreiche Ausführung der Rechenmaschine in zwei Bänden.
1947 wurde der ENIAC auf das Militärgelände nach Aberdeen gebracht. Marilyn Wescof und Elizabeth Jean Jennings (später Jean Bartik) gingen nicht mit. Auch Betty Snyder hörte mit ihrer Tätigkeit am ENIAC kurze Zeit später auf. Sie ging wie zuvor schon Jean Bartik zur neu gegründeten Firma Eckert Mauchly Computer Corporation, wo sie beide in der Softwareentwicklung Karriere machten. Betty Snyder heiratete 1950 John Holberton, einen ENIAC-Ingenieur. Kathleen McNulty verließ 1948 Aberdeen und heiratete John Mauchly, ein weiterer ENIAC-Entwickler. Mit ihm zusammen forschte sie in den folgenden Jahren in der Computertechnik weiter. Frances Bilas und Ruth Lichterman heirateten 1947 bzw. 1948 ebenfalls ENIAC-Ingenieure und wurden Hausfrauen.
Der ENIAC war noch einige Jahre im Einsatz.
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