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TU Berlin

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Lehrphilosophie

Motivation, Philosophie und exemplarische Beschreibung einiger Lehrveranstaltungen

Bis heute kann ich auf ca. 20 Jahre engagierter Lehrtätigkeit zurückblicken. Angefangen habe ich 1985 als Tutorin, seit 1989 bzw. 1995 war ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. Assistentin tätig, und seit 2006 als Gastprofessorin. Von Anfang an habe ich sowohl in der Mathematik selbst als auch im Mathematik-Service für andere Fächer unterrichtet, als Dozentin durfte ich dann endlich auch in die Lehramtsausbildung (TU und HU Berlin). Ich bin sehr engagiert und erfolgreich in der Lehre. Bei regelmäßigen Evaluationen (durchgeführt von den Studierenden) habe ich stets gut bis sehr gut abgeschnitten.
Durch meine eigenen Lehrerfahrungen habe ich meine Ansicht über den Lehrerberuf revidiert. Vorher, in meiner Schulzeit (und einigen Nachhilfeversuchen in dieser Zeit), habe ich die Menschheit in zwei Gruppen gespalten erlebt: die mit und die ohne mathematisches Talent. Der Beruf der Mathematiklehrerin erschien mir frustrierend, da die (große) letztere Gruppe dem Unterricht unzugänglich schien. Deshalb habe ich mich bewusst gegen ein Lehramtsstudium entschieden. In den letzten Jahren habe ich meine Ansicht nicht nur revidiert, sondern es ist viel mehr das Bedürfnis entstanden herauszufinden, warum gerade Mathematik(unterricht) so stark polarisiert und wie man dem entgegenwirken kann.
Mit wachsender Erfahrung hat sich meine Lehre stark verändert. Besonders bei Lehramtsstudierenden (LAS) und Studierenden anderer Studiengänge liegt mein Fokus verstärkt auf der Vermittlung der mathematischen Denkweisen und Methoden. Dies verringert zwar die Zeit für die Stoffvermittlung, wird aber durch das größere Verständnis mathematischer Prinzipien und die gesteigerte Motivation ausgeglichen. Besonders wichtig ist es mir, die Studierenden zur Reflektion über Mathematik (Inhalte, Modelle, Methoden, Geschichte) anzuleiten. Meine Vorlesungen und Seminare sind methodisch vielseitig und interaktiv gestaltet: Als unterrichtsmethodische Beispiele seien hier angeführt: kurze Präsentationen (z.B. der Übungsteilnehmenden über den Stoff der letzten Vorlesung(en)), das selbstständige Arbeiten mit mathematischen Texten bzw. Kurzskripten, mathematische (Auto-)Biografien, der effektive Einsatz von Computeralgebra-Software, oder Reflektionsphasen des gerade gelernten Stoffes unter didaktischen Gesichtspunkten. Und vor allem viel Interaktion auch in der Vorlesung. Außerdem gehörte für LAS die Erarbeitung bzw. Präsentation einer Lerneinheit zu den Anforderungen meiner Lehrveranstaltungen (LV). Im Sommersemester 2008 habe ich erstmals eine LV als Projekt angeboten.
Im Zuge von Pisa haben (neue) Lehrmethoden an Bedeutung gewonnen. Insbesondere LAS sollten diese in den besuchten fachwissenschaftlichen LV selbst erfahren - möglichst unter Berücksichtigung von genderspezifischen Aspekten. Ein hochschulspezifisches Problem dabei ist die zum Teil große Anzahl von Teilnehmenden, oft in ungeeigneten Räumlichkeiten. Einige Alternativen habe ich erprobt und weiter entwickelt: z. B. Palaver-Übungen, angeleitete Arbeitsgemeinschaften, Projekttage, verschiedene Formen von Gruppenarbeit, Mitgestaltung eines einwöchigen, externen Kompaktseminars, Einsatz von Computeralgebra-Software, unter anderem in der Lehrerfortbildung (Oberwolfach). Weitere Alternativen habe ich bei Weiterbildungen kennengelernt.
Als eigene Weiterbildung möchte ich meine Teilnahme an der vom Europäischen Sozialfond geförderten Qualifizierung Medienkompetenz in der Hochschullehre (14.6.02 - 28.2.03, 260 h Qualifizierungsdauer, 9 Präsenztage) erwähnen, bei der es um den kritischen Einsatz von Multimedia/neuen Medien in der Lehre ging.
Oft erweist es sich als schwierig, Methoden und Wissen aus der allgemeinen Didaktik direkt in die mathematische Lehre zu transferieren, weshalb eine mathematik-didaktische Weiterbildung für Lehrende der Mathematik wünschenswert ist. Im Rahmen der Offensive Wissen durch Lernen der TU Berlin habe ich gemeinsam mit einem Kollegen das Weiterbildungsangebot Lehren und Lernen von Mathematik für TutorInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen des Instituts für Mathematik initiiert (30.100 Euro Sachmittel, 1/2 Stelle Stud.Hilfskraft, Laufzeit 2 Jahre). Ich leite die Weiterbildungen gemeinsam mit einem weiteren Dozenten.
Anschließend möchte ich ausführlicher auf zwei LV eingehen, die ich methodisch als meine größten persönlichen Erfolge betrachte. Bei der ersten handelt es sich um eine LV für Lehramtsstudierende aller Klassenstufen (Gewöhnliche Differentialgleichungen mit Anwendungen, 4 SWS VL und 2 SWS ÜB im SS, 2 SWS SE im WS, Studienschwerpunkt), in der ich verschiedenste Unterrichtsformen integriert habe. Wichtig war mir nicht nur, dass die angehenden Lehrenden aktuelle Anwendungsbereiche kennen lernen, sondern auch erfahren, dass und wie sie komplexe mathematische Sachverhalte für Schülerinnen und Schüler begreifbar machen können. Um die anfänglichen Widerstände der Teilnehmenden gegen das ihrer Meinung nach für sie als Lehrende an der Schule (zum Teil der unteren und mittleren Klassenstufen) irrelevante Thema der LV aufzulösen, haben wir uns am ersten Projekttag mit der Bedeutung von Mathematik auseinandergesetzt. Die weiteren Projekttage nutzten die Studierenden dann zur Erarbeitung von beeindruckenden Lerneinheiten unter Einsatz verschiedenster Medien (Computeranimationen, Computerpräsentationen, Rollenspiele, Experimente). Im nachfolgenden Seminar wurden im WS 03/04 Texte zur mathematischen Modellierung auf Schulniveau bearbeitet, die Linearisierung von Modellen problematisiert und auf dieser Basis die Lerneinheiten vor allem didaktisch überarbeitet und um praktische Experimente ergänzt. Da im WS 05/06 12 Lehramtstudierende aller Schultypen teilnahmen, habe ich die Überarbeitung der Lerneinheiten aus der vorangegangenen LV ersetzt durch Seminarvorträge basierend auf einem Text zum Maximumsprinzip, der dem unterschiedlichen Niveau der Teilnehmenden gerecht wurde. Es ist mir gelungen, den Studierenden einen Rahmen zur Verfügung zu stellen, in dem sie hoch motiviert und sehr engagiert exzellente Leistungen erbringen konnten. Ihre Einschätzung der eigenen mathematischen Kompetenz und der didaktischen Möglichkeiten hat sich deutlich verbessert.
Die zweite, interdisziplinäre, LV Mathematik in der Gesellschaft (unter Berücksichtigung von Genderaspekten) (für Diplom- und LAS der Mathematik und Studierende der Geschlechterstudien, 4 SWS VL/SE und 2 SWS ¨UB) fand zuerst im WS 2006/07 an der HU Berlin statt. Wir haben uns mit dem Erscheinungsbild der Mathematik in der Gesellschaft beschäftigt, und zwar aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dazu wurden Texte aus verschiedenen Bereichen erarbeitet (z. B. Math. und Beruf, math. Biographien, Math. und Gender, Math. und Politik, Math. in den Medien, Mathematik- und Wissenschaftsgeschichte, Mathematikphilosophie), MathematikerInnen aus der Praxis interviewt, und die Ergebnisse diskutiert, schriftlich ausgearbeitet und präsentiert. Teile der LV habe ich gemeinsam mit einer Stipendiatin des Graduiertenkollegs Geschlecht als Wissenskategorie geleitet. Die eingangs diffusen Vorstellungen der Studierenden (überwiegend 3. Semester Diplom-Mathematik) wurden im Laufe des Semesters reflektiert, präsiziert und deutlich erweitert. Besonders deutlich wurde dies im Hinblick auf die spätere Berufswahl, so dass nun ein zielgerichtetes Studium möglich ist. Das Konzept dieser LV habe ich im WS 2007/08 in eine 4 SW-stündige IV für Studierende der mathematischen Studiengänge der TU Berlin (6 Studienpunkte) transferiert. Weitere Informationen, z. B. die von den Studierenden gewählten Themen, findet man auf der Website der LV (http://www.math.tu-berlin.de/~schar/MidG.html).
Hinweisen möchte ich noch auf die von mir gehaltene LV Elementargeometrie (L, BA) im SS 07 an der HU Berlin mit über 120 Teilnehmenden, die sich zum Teil im 2. Semester (BA Zweitfach), 4. Semester (BA Kernfach) oder in höheren Semester (L, bis 11. Semester, Wiederholer) befanden. Eine Methode zur Differenzierung und Ermöglichung von aktiver Beteiligung an der VL waren ”Arbeitsskripte”, diese findet man z. T. auf der Website der LV. Dort findet man auch Bilder von einigen der Modelle, die die Studierenden im Rahmen eines Unterrichtsentwurfs zu Themen der LV erstellt haben.

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