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TU Berlin

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Bohèmeleben oder katholischer Drill einer Elite-Uni?

Studieren an der Pontificia Universidad Catolica de Chile

Zwischen harter Arbeit und Entspannung erhielt Franz Weizsäcker faszinierende Einblicke ins chilenische Studentenleben (Fakultät Ingenieurwissenschaften, Uni-Lichthof, Eingang zum Uni-Campus)
Lupe

Herzliche und gleichzeitig stolze Bevölkerung, exzessives Nachtleben, extreme Unterschiede zwischen Arm und Reich: Chile ist ein Anziehungspunkt für Aussteiger, Backpacker-Touristen und Sprachkurs-Reisen, aber zum Studieren? Die katholische Kirche unterhält heute in Südamerika ein kontinentales Netz von katholischen Universitäten von international recht hohem Ansehen. Ein Jahr lang habe ich den chilenischen Austausch getestet.

Bezahlen kann nur ein Bruchteil der fünf Millionen Einwohner Santiagos die Ausbildung an der katholischen Universität. Dabei wird mir als Nutznießer des deutschen Bildungssystems meine privilegierte Lage bewusst.

"Wahrnehmung ist relativ", zitierte man mir denn auch in einer Vorlesung mit dem genuschelten chilenischen Spanisch-Dialekt die großen deutschen Kommunikationstheoretiker. Mir ging es also relativ gut, auch wenn ich nicht jeder Konversation gleich folgen konnte. Komischerweise versteht man die mitunter komplizierten Lehrinhalte schneller als die Redensarten und anderen Geheimnisse der Umgangssprache. Gerade in der Informatik war es dank englischsprachiger Fachvokabeln und entsprechender Standardliteratur nicht schwierig, im Lehrstoff hinterherzukommen.

Informatik in einem Entwicklungsland? Wäre nicht Berkeley, Stanford oder das MIT besser? Vielleicht. Weltweit werden die besten Professoren immer wieder in den USA "eingekauft". Viele, die in den USA gearbeitet haben, finden aber auch den Weg zurück nach Südamerika, sodass viele Professoren Auslandserfahrung haben. Leopoldo Bartossi, eine Koryphähe des relativ überschaubaren Fachbereiches Informatik, kooperiert zum Beispiel mit unserem ehemaligen Informatik-Dekan, Prof. Jähnichen. Leider hindert ihn sein Engagement, in seine eigenen Lehrveranstaltungen zu kommen. Doch überwiegend ist die Betreuung der Studenten an der "Pontificia" sehr gut.

Glücklicherweise fand ich eine nette WG mit ortskundigen Chilenen. Da chilenische Studierende bis zur Hochzeit im Elternhaus wohnen, sind die WGs überwiegend rein ausländisch, ein Hindernis für den Anschluss an die lokale Kulturszene. Wie bei den "hippsten" Clubs Berlins in Mode, verbreiten sich Veranstaltungstipps für zeitgenössische Kunst, Kultur und Nightlife in Santiago im Wesentlichen per Mundpropaganda, und man findet neben zahllosen Salsotheken durchaus auch ein paar Jazz-, HipHop-, US-Pop-, Drum & Bass- oder Techno-Partys im Bohème-Viertel Bellavista, eine kulturelle Pufferzone zwischen dem wohlhabenden Providencia und dem bettelarmen Recoletta.

Und was die Ausflüge betrifft: Skifahren auf 4000 Metern Höhe, am Pazifikstrand in der Sonne aalen, Bergsteigen, Reiten, Fischen oder längere Touren durch die Eiswüste Feuerlands, die Atacama-Wüste im Norden oder in die angrenzenden Länder, alles ist möglich, wenn man sich genug Zeit nimmt, zum Beispiel in den Ferien. Wen das Studium oder vielleicht auch der eine oder andere Aspekt des Lotterlebens in Chile interessiert, den berate ich gern in der Erstberatungs-Sprechstunde des Akademischen Auslandsamts, wo ich jetzt als Tutor arbeite.

Pontificia Universidad Catolica de Chile

Franz Weizsäcker, Informatikstudent / <a href="http://archiv.pressestelle.tu-berlin.de/tui/02okt/">TU intern - 10/2002</a>

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